Weikersheimer Gespräche zur Kompositionspädagogik
Es ist keine neue Erkenntnis, dass die erlebnishafte, von Wahrhaftigkeit und Qualität geleitete Auseinandersetzung mit Musik der entscheidende Zugang zu musikalischer Bildung sei. Neu ist allerdings, dass das „Begreifen“ von Musik im ureigenen Sinn, also das in die Hand nehmen und eigene Gestalten des musikalischen Materials, mit unbeirrbarer Kraft in die Schul- und Musikschulpädagogik drängt. Jedes Jahr finden zahlreiche Kompositionsprojekte in Schulen statt, es gibt mittlerweile über 40 Kompositionsklassen an deutschen Musikschulen und eine Reihe an Kompositionswettbewerben für Schüler. Umso weniger verständlich ist, dass es - abgesehen von wenigen ersten Ansätzen - noch immer an einer qualifizierenden Ausbildung mangelt, um komponierende Kinder und Jugendliche kompetent anzuleiten und die Lehrinhalte des Schulmusik- und Instrumentalunterrichts durch kompositorische Gestaltungsarbeiten zu vertiefen.
Impulse zur Didaktik
Die JMD hat es sich als Träger des Bundeswettbewerbs Komposition zur Aufgabe gemacht, diesem Zustand entgegen zu wirken. Denn der Bundeswettbewerb versteht sich nicht allein als Talentförderung und Studienvorbereitung, sondern ebenso als Reflektorebene der kompositionspädagogischen Entwicklung und sieht seine Verantwortung auch darin, Impulse für den Aufbau einer Didaktik zu setzen.
Perspektiven für fachspezifische Ausbildung
Philipp Vandré, der im Auftrag der JMD 2010 gemeinsam mit Benjamin Lang (Hochschule Osnabrück) das erste bundesweite Symposion der Kompositionspädagogik leitete und 2011 das Buch „Komponieren mit Schülern“ (ConBrio) publizierte, das in der Fachwelt mit großer Aufmerksamkeit aufgenommen worden ist, setzt den entfachten Diskurs mit den „Weikersheimer Gesprächen zur Kompositionspädagogik“ fort. In enger Zusammenarbeit mit Prof. Matthias Schlothfeldt (Folkwang Universität der Künste Essen) lädt er im Namen der JMD Komponisten, Musikpädagogen, Hochschuldozenten und Vertreter von Fachverbänden ein, um in der Musikakademie Schloss Weikersheim zentrale Aspekte kompositionspädagogischer Arbeit zu reflektierten und Kriterien für eine fachspezifische Berufsausbildung zu entwickeln. Ermöglicht wird dies durch die Unterstützung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. Die Gespräche werden dokumentiert und publiziert, damit sie in die Lehre an Schule und Musikschule wie auch in die musikpädagogische Ausbildung an Hochschulen hinein Wirkung entfalten können.
Engagierter Meinungsaustausch
Im Dezember sind Matthias Handschick, Musiklehrer am Hans-Thoma-Gymnasium Lörrach, Peer Hübel, Musiklehrer am St. Raphael Gymnasium Heidelberg, Dr. Marc Mönig, Fachseminarleiter für Musik und Musiklehrer in Bergisch Gladbach, Prof. Dr. Stefan Orgass, Folkwang Universität der Künste Essen und Vorsitzender der BFG Musikpädagogik, sowie Prof. Dr. Christopher Wallbaum, Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ Leipzig, der Einladung zum ersten Gespräch über das Thema „Komponieren in der Schule“ gefolgt. Diskutiert wurde u. a., welche Ziele mit kompositorischem Arbeiten in der Schule verfolgt werden, wie die Erfahrungen zu bewerten sind, inwiefern überhaupt der Begriff „Komposition“ im Kontext von Schule, stilistischer Offenheit und Vielfalt der Genre angemessen erscheint und welche Qualifikationen für eine kompetente kompositionspädagogische Arbeit in der Schule erforderlich sind. Bereits am ersten Abend entfaltete sich ein engagierter Meinungsaustausch, in dessen Folge essentielle Fragen zur ästhetischen Position wie zur Methodik aus unterschiedlichen Perspektiven beantwortet wurden. Die weiteren Gespräche werden sich in den nächsten Monaten den Themen „Komponieren in der Musikschule“, „Förderung durch Wettbewerbe und Workshops“ und „Anforderungen und Wege der studienvorbereitenden Begabtenförderung aus Sicht der Musikhochschulen“ widmen. Begleitend wird es eine Befragung der Preisträger des Bundeswettbewerbs Komposition zur Förderung jugendlicher Komponisten geben. Man darf schon jetzt auf die Publizierung der Gesprächsprotokolle gespannt sein.
Foto: Expertenrunde des ersten Gesprächskreises (in der Runde von links): Dr. Mark Mönig, Prof. Matthias Schlothfeldt, Philipp Vandré, Prof. Dr. Christopher Wallbaum, Peer Hübel, Matthias Handschick, Prof. Dr. Stefan Orgass
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